Gemeinschaftsschule

Die Gemeinschaftsschule

Seit 2012 gibt es in Baden-Württemberg die Gemeinschaftsschule. Eine Schulart, in der Schülerinnen und Schüler aller Begabungen und Leistungsstärken miteinander und voneinander lernen können, auch über Klasse 4 hinaus.

Grundschulen haben schon immer bewiesen, dass Kinder unterschiedlicher Begabungen und Herkunft erfolgreich miteinander lernen können. Lernangebote, die auf unterschiedliche Bedürfnisse und Entwicklungen der Schülerinnen und Schüler abgestimmt sind, sind hier Normalität. Damit wird jedem Kind die Möglichkeit gegeben, sein Potenzial voll zu entfalten.

Die Gemeinschaftsschule versucht, einen Unterricht, der die unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler in den Mittelpunkt stellt, erfolgreich fortzuführen und umzusetzen.

Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler den für sie bestmöglichen Bildungsabschluss erreichen. Da Gemeinschaftsschulen in der Sekundarstufe I an 3 oder 4 Tagen verpflichtende Ganztagesschulen sind, bieten sie gegenüber Halbtagesschulen umfangreichere Lernmöglichkeiten. Gleichzeitig eröffnet der rhythmisierte Schultag Kindern und Jugendlichen auch Chancen, eigene Interessen zu verfolgen und Freizeitaktivitäten nachzugehen. Dadurch, dass Einzelarbeitsphasen Raum für Übung und Vertiefung des Gelernten schaffen, können die meisten Hausaufgaben bereits in der Schule erledigt werden.

Das Pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule

Die Pädagogik der Gemeinschaftsschule geht auf die Unterschiedlichkeit der Kinder und Jugendliche ein: Diese Schulart stimmt ihre Lernangebote individuell auf die verschiedenen Begabungen, Fähigkeiten und Entwicklungen des Einzelnen ab.

Die Schülerinnen und Schüler können auf drei unterschiedlichen Niveaustufen lernen: Dem grundlegenden Niveau (G-Niveau), das zum Hauptschulabschluss führt, dem mittleren, zum Realschulabschluss führenden Niveau (M-Niveau) sowie dem erweiterten Niveau (E-Niveau).

Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule lernen in jedem Fach auf der für sie am besten geeigneten Niveaustufe. Ein Wechsel in eine andere Niveaustufe ist jederzeit möglich.

Mit regelmäßigen Inputs führen die Lehrerinnen und Lehrer in neue Themen und Methoden ein und stellen so sicher, dass ihre Schülerinnen und Schüler eigenständig oder in Gruppen weiterarbeiten können.

Daneben gibt es Übungsphasen, in denen Schülerinnen und Schüler in kooperativen oder individualisierten Lernformen arbeiten. Somit legt die Gemeinschaftsschule nicht nur Wert auf die fachlichen, sondern auch auf die sozialen Kompetenzen.

In festen Lernzeiten lernen die Schülerinnen und Schüler anhand geeigneter Aufgaben, ob sie bzw. er das Gelernte auch gut verinnerlicht hat.

Während der Einzelarbeitsphasen ist auch mindestens ein Lehrer oder eine zusätzliche pädagogische Fachkraft zur Stelle, um Unterstützung zu leisten und Fragen zu beantworten.

Ihren Lernfortschritt dokumentieren die Schülerinnen und Schüler im Lerntagebuch. Die Kinder und Jugendlichen an der Gemeinschaftsschule übernehmen somit selbst einen erheblichen Teil der Verantwortung für ihren Lernerfolg. Die Pädagoginnen und Pädagogen begleiten die Lernprozesse der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers sehr eng. Deshalb wird an Gemeinschaftsschulen auch der Begriff des Lernbegleiters verwendet. Die Kollegien an Gemeinschaftsschulen setzen sich zusammen aus Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schularten.

Jeder Schülerin und jedem Schüler an der Gemeinschaftsschule steht zudem eine Lehrerin oder ein Lehrer als Coach zur Verfügung. In regelmäßigen Gesprächen berät der Coach die Schülerin oder den Schüler, auch auf der Grundlage der Eintragungen im Lerntagebuch, und hilft ihr oder ihm, noch erfolgreicher zu lernen.

Erst im Abschlussjahr der Sekundarstufe I, d. h. dem neunten oder zehnten Schuljahr, lernen die Schülerinnen und Schüler über alle Fächer hinweg auf einheitlichem Niveau. Dem grundlegenden (für den Hauptschulabschluss), dem mittleren (für den Realschulabschluss) oder dem erweitertem Niveau für eine Versetzung in die Oberstufe.

Leistungsrückmeldung

An der Gemeinschaftsschule erhalten Schülerinnen und Schüler differenzierte und kontinuierliche Rückmeldungen über ihre Leistung. Ob eine Schülerin oder ein Schüler auf der grundlegenden, der mittleren oder der erweiterten Niveaustufe lernt, kann von Fach zu Fach unterschiedlich sein. Ein Wechsel der jeweiligen Niveaustufe ist auch während eines Schuljahres möglich. Über das Niveau des Lernangebots im jeweiligen Fach entscheiden die Lehrerinnen und Lehrer in Abstimmung mit den Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern.

Das Lerntagebuch hilft den Schülerinnen und Schülern, ihr Arbeitsverhalten und ihre Lernerfolge selbst zu beobachten, darüber zu reflektieren und sie zu beurteilen. Durch die Arbeit mit dem Lerntagebuch werden sich die Schüler über Lernziele, Lernwege, Ergebnisse und Fortschritte bewusst. Dies unterstützt sie bei der Planung ihrer weiteren Lernprozesse.

Die Leistungsrückmeldung erfolgt durch differenzierte Beurteilungen über den individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand. Dazu werden regelmäßig schriftliche, mündliche oder praktische Leistungserhebungen durchgeführt.

Zum Schulhalbjahr und am Ende des Schuljahres erhalten die Schülerinnen und Schüler einen ausführlichen Lernentwicklungsbericht, in dem ihre Leistungen in den einzelnen Fächern beurteilt werden. In diesen Berichten steht für jedes Fach, auf welcher Niveaustufe die Leistungen erbracht werden. Noten werden nur im Abschlussjahr verpflichtend erteilt. Ansonsten werden sie im Lernentwicklungsbericht angegeben, wenn die Eltern dies ausdrücklich wünschen, oder im Falle eines Schulwechsels.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Auf einen regelmäßigen Kontakt mit den Eltern legen die Lehreinnen und Lehrer an Gemeinschaftsschule großen Wert. Ein großes Anliegen ist, dass die Eltern gut nachvollziehen können, wie ihr Kind an der Gemeinschaftsschule lernt und arbeitet.

Gemeinsames Ziel ist es, Entwicklung und Lernerfolg der Schülerin und des Schülers in den Blick zu nehmen und die jeweils nächsten Lernentwicklungsschritte zu planen. Dafür sind regelmäßige Gespräche der Lehrerinnen und Lehrer mit den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern notwendig. So werden mindestens zweimal im Jahr Gespräche über die Lernentwicklung des Kindes mit den Eltern geführt. Die Schülerin oder der Schüler nimmt an diesen Gesprächen auch selbst teil.